Als Walter Schellenberg gegen Kriegsende den General Gehlen, Leiter der OKH -Abteilung "Fremde Heere Ost", besuchte, "mußte (er) dem General einräumen, daß er selbst niemals in der Lage sei, diese mit wissenschaftlicher Exaktheit betriebene Aufgabe zu übernehmen... Es war keineswegs unbegreiflich, daß Schellenberg mit Ressentiments an den klugen Gegner dachte, der im Gegensatz zu ihm jeden Hauch des Abenteuerlichen aus seiner Geheimdienstzentrale verbannt - und damit recht behalten hatte.
"In theoretischen Überlegungen hatte auch er (Schellenberg) durchaus begriffen, daß die Führung eines Spionageapparates ein trockenes, nüchternes und sprödes Handwerk ist. In der Praxis scheint er aus dieser Einsicht keine Konsequenzen gezogen zu haben. Und wie sollte er auch? Die Umgebung, in der er arbeitete und lebte, duldete solche Sachlichkeit kaum ... Sie alle scheinen ... den Krieg an der geheimen Front als ein monströses Indianerspiel verstanden zu haben."
DER SPIEGEL 41/1959